Clavia Nord Stage Keyboard

Hallo zusammen,

heute möchte ich über den Clavia Nord Stage schreiben. Das Review ist schon etwas älter und war auch schon auf meiner alten Seite zu finden. Da ich aber mittlerweile noch einige andere Geräte besessen habe, aktualisiere ich das ganze nun einmal. Der Nord Stage hat mich im letzten Jahr (2016) für den Kurzweil Forte verlassen.

Technisches Clavia Nord Stage 88

Hersteller

Clavia (Nord Keyboards)

Preis Neu (2006): ab ca. 3000,- €uro je Version  (ab 800€ gebraucht, je Version)

Maße und Gewicht 

129,79 x 33,40 x 12,10 cm, (B x T x H), 18,5 kg NS88
113,20 x 33,40 x 12,10 cm, (B x T x H), 16,5 kg NS76
111,10 x 29,70 x 10,20 cm, (B x T x H), 9,7 kg NSC

Tasten

NS88 / NS76  Hammer Action Weighted Keys
NSC Medium Weighted Keys

Display

240 x 64 Pixel Hintergrundbeleuchtung, regelbar

Controller

  • Wooden Pitch Stick
  • Modulation Wheel
  • Aftertouch
  • 4 Knobs

Sound

  • 21 x 6 Programmplätze
  • 300 Synthplätze

Anschlüsse

  • 4 Ausgänge
  • Stereo Kopfhörer
  • Sustain Pedal
  • Rotor Pedal
  • Organ Swell Pedal
  • Control Pedal
  • Midi In/Out
  • Netzanschluss
  • USB

Mitgeliefertes Zubehör

Netzkabel, Sustain Pedal, Anleitung, CD-Rom, USB Kabel

Soundqualität

Die Soundbeschreibung teile ich in die drei Sektionen auf, die der Stage bietet: Orgel (B3, Vox Continental, Farfisa), Piano (Flügel, Upright, Rhodes,CPs,…), Synth (Pads, Bass, Lead).
Die Extern Sektion spreche ich natürlich auch kurz an.

Orgel

Die Orgel Simuliert drei Unterschiedliche Modelle: B3 Tone Wheel Organ, Vox Continental und Farfisa mit voller Stimmenzahl. Als Hauptmodell ist die B3 vorgesehen, auf die auch die komplette Steuerung inklusive der Beschriftungen ausgelegt ist.Clavia Nord Stage

Über die Taster unter den LED-Ketten lassen sich die virtuellen Zugriegel bedienen. Für richtige Orgelspieler ist das auf jeden Fall ungewohnt und sicher nicht befriedigend, aber für alle anderen kann dieses System auch Vorteile mit sich bringen.

Bei Presetänderungen, sieht man z.B. direkt die neuen Einstellungen. Auch bei dunklen Bühnen ist alles recht gut zu erkennen. Allerdings ist das Livespiel mit den Zugriegeln nicht so intuitiv und einfach wie bei anderen Clones, oder gar einer richtigen Hammond.

Der Sound der B3 ist für meine Ohren sehr gelungen. Auch das Leslie macht einen guten Job. Es ist für mein empfinden deutlich besser, als die Simulation der Roland VK8 und besser als das H&K Rotosphere MKI oder RT-20 von Boss. Wobei die genannten in keinem Fall als schlecht zu bewerten sind und ich sie alle schon gehabt habe, oder sogar noch besitze.
Die aktuellen Versionen der Stage/Electro Reihe sind natürlich noch mal besser geworden und als Leslie Alternative bietet sich heute der Neo Instruments Ventilator an.

Die Zerre kann von leicht bis heftig alles, wobei sie mir am Ende dann nicht mehr so zusagt weil die mir bekannte Wärme von Röhrenverstärkern doch etwas fehlt. Das ist aber Geschmacksache und bei den neueren Geräten gibt es natürlich auch eine Weiterentwicklung.

Das Vox und Farfisa Modell nutze ich eigentlich so gut wie nie und kann da deshalb auch kein sinnvolles Urteil abgeben. „Light my fire“ klingt in jedem Fall sehr ordentlich soweit ich das eben beurteilen kann.

Über Midi ist es möglich ein zweites Manual anzuschließen um es als unteres oder oberes Manual zu nutzen. Ein Basspedal wird leider nicht unterstützt. Wer soviel Orgel spielt, kauft sich dann besser eine C1 oder jetzt aktuell die C2D, die zwei Manuale hat und auch noch das Basspedal unterstützt.

Die Hammermechanik Tastaturen sind zum Orgeln nicht das Optimum. Aber ein paar Akkorde und Läufe lassen sich auch damit bewerkstelligen.

Ich habe den Stage entweder als zweites Board in einer Coverband für Pianos und Orgeln genutzt  oder als Solo Piano. Da reicht dieser Kompromiss für mich eigentlich immer aus. Manchmal habe ich mir zwar die Waterfall meiner ehemaligen VK8 herbei gewünscht, aber andersrum hätte mir die Hammermeachanik deutlich mehr fehlen wenn ich einen Compact gehabt hätte.

Piano:

Die Pianosektion kann vom User mit unterschiedlichen Samples beladen werden. Dabei stehen 128 MB Speicher zur Verfügung, die so belegt werden können, wie der Anwender das möchte. Bei dem aktuellen Gerät reden wir dann schon von 2 GB!!

Das schöne an der ganzen Sache ist, das Clavia nicht nur eine theoretische Möglichkeit bietet, Sounds auszutauschen, sondern auch wirklich mal neue Samples zum Download zur Verfügung stellt. Diese laufen bisher auch auf allen Stage Revisionen. Die älteren Modelle müssen bei einigen Sounds mit Einschränkungen im Detail rechnen, was aber in der Band nicht auffällt. Solo hört man diesen Unterschied sicherlich, aber da kauft man vermutlich auch eher das Nord Piano, oder ein ganz anderes Gerät.

Über die USB Verbindung kann der Nutzer also selber entscheiden, wie viele oder welches Piano oder Rhodes man mitnehmen möchte, solange sie in den Speicher passen. Allerdings dauert dieser Vorgang immer etwas, da der Speicher recht langsam beschrieben wird. Zumindest war das mal so.

Mit Hilfe der Kategorie Taster kann man die Unterschiedlichen Instrumente anwählen. Diese sind dann noch einmal unterteilt. Das heißt, man kann mehrere Pianos in die Piano Sektion laden, oder mehrere Rhodes in die Rhodes Sektion. Für die anderen gilt natürlich das gleiche.

Über die einzelnen Sounds könnte jetzt viel geschrieben werden. Da aber gerade Pianosound sehr stark vom Geschmack abhängen, unterlasse ich das einfach. Wählen kann man zwischen Yamaha, Boesendorfer und Steinway in unterschiedlichen Ausführungen.

Weiterhin gibt es verschiedene Upright Piano, die in meinen Augen sehr gut klingen.

Natürlich finden sind auch ein CP80 und mehrere E-Pianos. Die Qualität ist bei allen sehr gut.

Alle Sounds haben für mich aber eine Gemeinsamkeit: Sie klingen nicht so sauber und statisch, wie andere Pianos. Irgendwie ist noch der „Schmutz“ eines echten Flügels vorhanden. Es ist schwer zu erklären, aber man hört einfach das Instrument finde ich.

Für die Pianos ist die Tastatur natürlich gut geeignet. Sie ist nicht zu schwer, so dass auch nicht Pianisten gut mit ihr klar kommen dürften. Bisher hatte ich spielerisch keine Probleme. Sie ist leichter als die eines P80 und schwerer als die von einem GEM PRO1/2. Ich würde sie ähnlich wie das PC1x einschätzen. Leider kann ich keinen direkten Vergleich mehr zum Forte oder Kronos ziehen. Aber vom Gefühl her liegen die in einer ähnlichen Richtung.

Synth:

Vorne weg: Die Synthsektion ist natürlich nicht vergleichbar mit einem Nord Lead, oder dem Wave, aber sie ist auch mehr als nur eine nette Beigabe.

Mal eben schnell ein Pad unter das Piano, einen Synthbass in die linke Hand, oder mal einen kleinen Solo Sound. Das alles geht schnell von der Hand.

Die Presets der Sektion sind in drei Gruppen aufgeteil. Synth, Pad und Bass. Für jede Gruppe stehen 100 Plätze zur Verfügung, wo von einige schon mit Presets belegt sind. Alle Sounds sind aber überschreibbar.

Auf die wichtigsten Funktionen hat man direkt mit einem Regler Zugriff. Auf dem Bild ist das alles schön zu sehen. Für einen kurzen Jam und als Erweiterung sehr gut zu gebrauchen. Die neueren Stage haben auch die Möglichkeit eigenes Samplematerial einzubinden. Da geht dann natürlich wesentlich mehr!

Extern:

Es gibt auch eine kleine Sektion, um externe Geräte über Midi anzusteuern. Die Möglichkeiten dieser sind aber sehr beschränkt und eher als rudimentäre zu sehen.

Über den Drehregler der Sektion kann man Volumen, Programm Change oder einen zugewiesenen CC Befehl senden.

Außerdem ist es möglich, über die Hauptspeicherplätze jeweils die oben genannten Daten zu speichern und zu senden.

Allgemein zu allen Sektionen:

Es ist möglich zwei Split Punkte zu setzen und die Tastatur somit in drei Teile zu teilen. Die Punkte sind leider nicht frei wählbar, sondern von Nord festgesetzt. Bisher lies sich aber auch mit diesen Punkten alles realisieren, was ich mir vorgestellt habe.

Es gibt einen Mastervolumen Poti, den man auf dem Bild der Orgelsektion neben der Orgelsektion noch sehen kann. Weiter hat jede Sektion ihren eigenen Volumen Poti.

Die einzelnen Sektionen sind über einen Schalter unter dem Volumen Regler direkt zu- und abschaltbar. Dieser ist auch auf den zugehörigen Bildern zu erkennen.

Jede Sektion kann für sich alleine in der Oktave verschoben werden.

Effekte:

Der Stage hat auch eine kleine Effektsektion. Es gibt zwei Effektbereiche, die parallel genutzt werden können. Dazu kommen ein Delay, eine Ampsimulation samt Equalizer, eine Compressor und ein Reverb. Bis auf den Compressor und den Reverb lassen sich die Effekte jeweils einer Sektion zuordnen.

Auf dem Bild kann man erkennen, was es für Effekte gibt. Ich finde die Effekte für ein Keyboard sehr gut und für die meisten Situationen auch ausreichend. Die Ampsimulation ermöglicht auch noch einen Overdrive Effekt, der mir manchmal sogar besser gefällt, als der der Lesliesimulation.

Bedienung

Die Bedienung ist selbst-erklärend. Die meisten und vor alle Dingen wichtigsten Sachen erschließen sich dem Anwender sofort. Sei es das Sektionen an und ausschalten, oder die Programme durchgehen. Auch die „Grundfunktionen“ der einzelnen Sektionen sind sofort erkennbar.

Es gibt eine Panelfunktion. Das heißt, dass alle Sektionen zwei Mal vorhanden sind. Panel A und B können jeweils auf einem eigenen Midikanal betrieben werden.
Zusätzlich können die Sektionen auf eigenen Kanälen arbeiten. Es ist also möglich den Stage über acht unterschiedliche Midikanäle anzu-steuern.

Der Stage hat insgesamt vier Ausgänge. Diese können global oder im Programm jedem Sound individuell zugewiesen werden.

Global ist es also möglich, die Orgel z.B. immer auf den zweiten Out zu legen.

Im Programm kann das dann wechselnd bestimmt werden. Jeder so, wie er es braucht.

Jedes dieser Programme kann einzeln benahmt werden und auch jeweils Mididaten senden. So ist es möglich, den Stage eingeschränkt als Masterkeyboard zu nutzen.

Was ich persönlich nicht so gelungen finde ist, dass man die Transpose nicht pro Preset oder Sektion einstellen kann.

Das wäre für mich eine schöne Erweiterung.

Positive und Negative Aspekte

Positive:

+ Sehr kompakt und leicht
+ Übersichtliche und Verständliche Bedienung
+ Sehr gute Sounds und Auswahl

Negativ:

– Eingeschränkte Masterkeyboardfähigkeiten (muss aber nicht negativ sein)
– Soundspeicher “nur” 128 MB (ist auch nicht zwingend negativ)
– Transport kann nur global geändert werden

Fazit

Der Nord Stage ist ein Speziallist. Piano und Orgeln sind seine Sache. Der Synth ist nicht nur eine nette Beigabe für Flächen unterm dem Piano. Je nach Musikrichtung ist er auch als einziges Board die richtige Wahl.
Keyboarder die viele und Brot und Butter Sounds suchen, werden mit dem Stage alleine nicht glücklich.

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