Yamaha EX7 Workstation

Hallo zusammen,

heute möchte ich über die Yamaha EX7 Workstation schreiben. Das Review ist schon etwas älter und war auch schon auf meiner alten Seite zu finden. Da ich aber mittlerweile noch einige andere Geräte besessen habe, aktualisiere ich das ganze nun einmal. Da ich den “großen Bruder” EX5r auch hatte, werden einige Seitenhiebe in diese Richtung gehen.

Technisches Yamaha EX7

Hersteller

Yamaha (http://de.yamaha.com/de/products/musical-instruments/)

Preis Neu (1998): ab ca. 4000,- D-Mark je Version  (ab 250€ gebraucht, je Version)

Maße und Gewicht 

EX7: 1268 x 407 x 129 mm; 15 kg (B x T x H)
EX5: 1061 x 407 x 129 mm; 20 kg (B x T x H)
EX5r: 480 x 138 x 3 He; 9,8 kg (B x T x H)

Tasten

EX7: 61
EX5: 76
EX5r: Rack

Display

240 x 64 Pixel Hintergrundbeleuchtung, regelbar

Controller

außer EX5r:

  • Pitch
  • Modulation 1
  • Modulation 2
  • Scene
  • Ribbon Controller
  • 6 Knobs

Sound

  • 256 Presets, 256 User; AWM, FDSP, AN, VL (nicht EX7)
  • 128 User Performance

Polyphonie

128, 64 (EX7)

Anschlüsse

  • Stereo Master Out
  • Individual Output (nicht EX7)
  • A/D Input (EX7 Mono, EX5/r Stereo)
  • Footswitch
  • Sustain
  • Foot Controller
  • Foot Volumen
  • Phones
  • Breath Controller
  • Midi Trio (EX5/r zusätzlicher Midi In/Out)
  • Netzanschluss
  • Zwei Slots für Erweiterungskarten
Yamaha EX7

Yamaha EX7 Anschlusspanel

Mitgeliefertes Zubehör

Netzkabel, Anleitung, Disketten

Erweiterungen

  • EXIDO 1 Karte für individuelle Ausgänge
  • EXDGO 1 Karte für Digitalausgänge
  • ASIB 1 SCSI-Schnittstekke
  • EXFLM 1 Flash-Speicherkarte (8 MB)
  • DRAM Nimm (64 MB)

Bei allen subjektiven Beschreibungen ist auch zu beachten, wie alt die Yamaha EX7 Workstation schon ist. Meine Erfahrungen beziehen sich daher auch nicht immer auf einen aktuellen Vergleich, daher Augen und Ohren auf!

Soundqualität

Über den Sound lässt sich viel sagen. Es gibt sowohl gute, als auch schlechte Seiten, auch nach heutigen Maßstäben. Fangen wir mal mit den „schlechten“ an. Die akustischen Pianos: Im Bandeinsatz kann man sie gerade so als brauchbar bezeichnen wie ich finde. Mehr aber auch nicht. Es gibt in jedem Fall etwas besseres, aber sicherlich auch schlechtere. Auf jeden Fall ist man in der Lage die EX Serie anhand des Piano Sounds zu identifizieren. Gut ist das allerdings nicht wie ich finde, außer man sucht wirklich genau diesen Sound!

Ein sehr großes Problem aus meiner Sicht ist, dass sich die Pianos beim Pedalspiel extrem schnell aufschaukeln. Bei ungünstigen Monitor und Mikroverhältnissen habe ich mir darüber schon Rückkopplungen eingefangen und das ist alles andere als schön.

Die E-Pianos finde ich dagegen sehr brauchbar, auch wenn ich da keinen Vergleich zum realen Instrument habe. Die Streicher sind nicht mehr ganz auf der Höhe, aber für den Bandeinsatz auf jeden Fall sehr gut zu gebrauchen. Also rein qualitativ eine 3- im Kontext aber schon eher eine 2.
Überrascht haben mich persönlich die Orgeln. Für eine Workstation und auf Samplebasis sind diese richtig gut und finden sich zum Teil auch noch in den aktuellen Motif Serien wieder. Für Organisten ist das natürlich nichts, aber für Covermusiker oder Musiker die nur mal einen Orgelsound brauchen, geht das schon klar.

Richtig überzeugen können die wirklich guten Analogsounds und Pads, was auf jeden Fall an den zusätzlichen Syntheseformen liegt.

Die EX Serie beinhaltet netterweise mehrere unterschiedliche Synthesearten, die teilweise auch schon in Einzelgeräten Verwendung gefunden haben:

Syntheseformen
  • AWM2 “Advanced Wave Memory” Samplebasiert. Vier Elemente pro Voice
  • AN Virtuell analog
  • FDSP “Formulated Digital Sound Processing” , notenabhängiger Effekt-Prozessor (Noten- und Anschlag)
  • VL (Nur EX5/r), Physical-Modelling

AN-Synthese

Die AWM2 Synthese arbeitet mit den Rom Samples und wird auch im Nachfolger Motif bis heute verwendet.

Die An Synthese, bekannt aus dem AN1x von Yamaha, ist ein Virtuell Analoger. Natürlich nicht so schön zu bedienen wie ein Virus, aber auf jeden Fall eine sinnvolle Erweiterung eines Romplers.

Die dritte „Synthese“ ist die FDSP Synthese. Mit dieser kann man zum Beispiel Pick Ups, Saiten, Bögen usw. simulieren.

Die VL Synthese findet man nur bei den 5er Modellen. Hierbei handelt es sich auch eine Virtuelle Synthese. Dabei werden Bläser simuliert. Zusammen mit dem BC3 (Breath Controller) kann man hier wirklich überzeugende Ergebnisse erzielen. Da ich auch einen EX5r mein eigen nennen durfte, ist das wirklich aus erster Hand. Da können einige der aktuelleren Tastengeräte nur in der zweiten Reihe stehen bleiben.

Insgesamt kann man sagen, dass die Presets recht gut sind, aber sicher nicht das zeigen, was das Teil wirklich drauf hat.

Die Unterschiedlichen Synthesearten sind auch mischbar. Allerdings ergeben sich dort einige Einschränkungen, was die unterschiedlichen Stimmzahlen angeht.

Synthese 1:  Stimmzahl       Synthese 2:  Stimmzahl auf den EX5/r bezogen

AWM2:        128 Stimmen
AN:              2 Stimmen
FDSP:         16 Stimmen
VL:              1 Stimme
AN:             1 Stimme              FDSP:         8 Stimmen
AWM2:        64 Stimmen         FDSP:         16 Stimmen
AWM2:        126 Stimmen       VL:              1 Stimme
AWM2:        126 Stimmen       AN:              1 Stimme
AWM2:        124 Stimmen       AN:              2 Stimmen
VL und FDSP zusammen ist nicht möglich!!

Für den EX7 habe ich keine Liste zur Hand, aber AN ist nur einstimmig möglich!
Zu beachte ist: Eine Stimme ist ein Element und ein Sound kann aus bis zu vier Elementen bestehen. Das heißt die Polyphonie reduziert sich natürlich entsprechend.

Die Effektionsektion klingt für die Zeit des EX sehr sehr gut und ist auch heute noch brauchbar. Es gibt einen Reverb und einen Chorus Block sowie zwei Inserts, die sich relativ frei verteilen lassen.

Bedienung

Yamahatypisch. Man muss sich damit beschäftigen. Allerdings finde ich es besser gelöst als beim Motif Classic und ES. Die XS und XF Serie habe ich selber nicht besessen, aber aus meinen paar Anspielversuchen im Laden kann ich sagen, dass es dort besser gelöst ist. Wenn man sich aber mal eingearbeitet hat, geht es locker von der Hand. Alles ist gut zu erreichen.

Mit dem Sampling im EX habe ich mich nie beschäftigt, weil ich das immer am Rechner mache. Gleiches gilt für den Arpeggiator und den Sequencer.

Positive und Negative Aspekte

Positive:

+ Masterkeyboardfunktionen
+ Synthesearten
+ Viele Controller

Negativ:

– nur 2 Sounds im Performance Modus
– SCSI ist sehr langsam
– Insgesamt schwacher DSP

Fazit

Der Yamaha EX7 ist ein sehr komplexes und vielfältiges Gerät. Es war meine erste Workstation/Synthesizer und ich kann ihn nur weiterempfehlen. Das Gerät ist auch für Einsteiger in die Materie geeignet, da es wirklich viel kann, aber trotzdem nicht überfordernd wirkt.
Auch als Zweitgerät zu einem Stagepiano ist ein EX immer noch sehr gut zu gebrauchen finde ich. Mein EX7 ist zwar nicht mehr bei mir, aber die Band unseres Drummers nutzt ihn immer noch!

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